LEBENSMITTELSICHERES HARZ?

FOOD SAFE RESIN?

„Ich halte es für fahrlässig!“


Hallo liebe Harzliebhaber!

Ich habe in letzter Zeit so viele DMs (Instagram) und auch E-Mails erhalten, in denen Sie gefragt haben, ob mein Harz lebensmittelecht ist. Dieses Thema scheint bei euch im Moment sehr beliebt zu sein, daher habe ich mich kurzerhand dazu entschieden, mein Wissen und meine Sammlung zum Thema „lebensmittelechtes“ Harz hier mit euch zu teilen.

Für viele, die mich noch nicht kennen: Mein Name ist Steffi -alias MRS.COLORBERRY- und ich habe meine eigene Marke für RESIN & JESIN Künstlerbedarf. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich sehr intensiv mit Epoxidharz, da ich eigene Harze auf den Markt gebracht habe und den Anwendern/Künstlern 100 % verlässliche Informationen geben möchte – so wie es manche Epoxidharzhersteller leider nicht tun.

Gehen wir dieses Thema ganz strukturiert an, damit Sie in Zukunft beim Harzkauf genau wissen, worauf Sie achten müssen, wenn Ihnen jemand sagt „JA, unser Harz ist lebensmittelecht“.

WAS BEDEUTET EIGENTLICH LEBENSMITTELSICHER?

Die Definition von Lebensmittelsicherheit bezieht sich auf ein Material, Produkt oder einen Stoff, der für den direkten oder indirekten Kontakt mit Lebensmitteln geeignet ist und keine schädlichen Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit hat. Lebensmittelecht bedeutet, dass das Material oder Produkt keine Schadstoffe freisetzt oder in Lebensmittel überführt, die die Lebensmittelqualität oder die Gesundheit der Verbraucher beeinträchtigen könnten.

Um als lebensmittelecht zu gelten, müssen Materialien oder Produkte bestimmte Anforderungen erfüllen, die durch staatliche Vorschriften, Behörden oder bestimmte Industriestandards festgelegt sind. Diese Anforderungen können sich auf die Materialzusammensetzung, Stoffmigrationsraten, Prüfungen und Zertifizierungen sowie die Einhaltung spezifischer Grenzwerte beziehen.

Die genaue Definition von „lebensmittelecht“ kann je nach Land, Gesetzgebung und Branche variieren. Im Allgemeinen werden bestimmte Vorschriften und Standards festgelegt, um die Sicherheit von Materialien und Produkten zu gewährleisten, die direkt oder indirekt mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Hierzu zählen beispielsweise die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 in der Europäischen Union und die Richtlinien der Food and Drug Administration (FDA) in den USA.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Lebensmittelsicherheit eines Materials oder Produkts durch unabhängige Tests und Zertifizierungen bestätigt werden kann. Hersteller oder Lieferanten, die behaupten, ihre Produkte seien lebensmittelecht, sollten entsprechende Nachweise oder Zertifikate zur Untermauerung ihrer Behauptungen vorlegen können.

Lebensmittelechtes Harz – Fakt Nr. 1

Ich habe natürlich ein wenig im Internet nach Harzen gesucht, die derzeit als „lebensmittelecht“ gekennzeichnet und verkauft werden, um eine gute Vorstellung davon zu bekommen, was erhältlich ist. Bei meiner Suche bin ich auf mehrere Harzhersteller gestoßen (den Namen darf ich aus rechtlichen Gründen leider nicht nennen, sonst mache ich mich strafbar), die ihr Produkt als lebensmittelecht vermarkten. Da ich mittlerweile über ein sehr breites Wissen verfüge – auch dank eines Chemikers, mit dem ich sehr eng zusammenarbeite (Vielen Dank, lieber Chemiker!), wusste ich ziemlich schnell, nach welchen Zertifikaten ich bei diesen Herstellern suchen musste. Ich könnte Ihnen jetzt so viele Beispiele nennen, aber ich möchte mich auf ein Beispiel konzentrieren.

Dieser Hersteller verkauft sein Harz weltweit und verfügt über ein Harz, das als FOOD SAFE RESIN verkauft wird. Aber werfen wir einen Blick darauf, was dieser Hersteller schreibt/argumentiert, warum sein Harz lebensmittelecht ist.

Auf Amazon und auf der Homepage dieses Herstellers findet man den Satz, dass „...das System...ausschließlich aus Rohstoffen besteht“,...die in der Positivliste der für den Lebensmittelkontakt zugelassenen Stoffe aufgeführt sind ( (EU-Verordnung Nr. 10/2011 vom 14. Januar 2011)“.

ABER

Reicht dieser Satz aus, um das Harz als „lebensmittelecht“ zu bezeichnen?

Würde es also ausreichen, wenn die Inhaltsstoffe des zu prüfenden Produkts auf der Positivliste stehen, um es als lebensmittelecht zu bezeichnen?

NEIN!
Die Tatsache, dass die Inhaltsstoffe eines Produkts auf der Positivliste der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 stehen, ist ein wichtiger Faktor bei der Beurteilung der Lebensmittelsicherheit eines Materials oder Artikels. Allerdings ist zu beachten, dass die Einhaltung der Positivliste allein nicht ausreicht, um ein Produkt als lebensmittelecht zu bezeichnen. Die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 enthält darüber hinaus weitere Anforderungen wie spezifische Migrationsgrenzwerte und allgemeine Bestimmungen zur Lebensmittelsicherheit.

Es gibt also einige Inhaltsstoffe, die eine Lebensmittelsicherheitsprüfung von vornherein ausschließen, wie zum Beispiel Weichmacher.
Einige Weichmacher, wie zum Beispiel bestimmte Phthalate (z. B. DEHP, DBP, BBP ), sind aufgrund ihrer potenziellen hormonellen Wirkung und gesundheitlichen Bedenken bei Säuglingen und Kindern in Spielzeug und Lebensmittelkontaktmaterialien verboten oder unterliegen strengen Beschränkungen.

Ebenso stehen die Stoffe BPA und Nonylphenol nicht auf der Positivliste der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 für Lebensmittelkontaktmaterialien und -gegenstände.

Was sind Migrationstests und wie funktionieren sie?

Ein Migrationstest ist eine Testmethode zur Quantifizierung der Migration von Stoffen aus Materialien oder Gegenständen in Lebensmittel.
Bei diesem Test wird simuliert, wie sich potenziell migrierende Stoffe aus dem Material lösen und in das Lebensmittel gelangen können. Migrationstests spielen eine wichtige Rolle bei der Beurteilung der Lebensmittelsicherheit von Materialien und der Einhaltung regulatorischer Anforderungen wie der Verordnung (EU) Nr. 10/2011.

Der genaue Ablauf eines Migrationstests kann je nach konkreten Anforderungen und Einsatzgebiet variieren. Im Allgemeinen umfasst ein Migrationstest jedoch die folgenden Schritte:

1. Vorbereitung der Prüflinge:
Das auf Lebensmittelsicherheit zu prüfende Harz wird in entsprechende Formen oder Behälter gefüllt, um die tatsächlichen Anwendungsbedingungen zu simulieren. Um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten, werden Proben häufig auf eine standardisierte Größe oder Dicke gebracht.

2. Auswahl der Prüfflüssigkeit:
Die Wahl der Prüfflüssigkeit hängt von der Art des Lebensmittels ab, mit dem das Material in Kontakt kommen soll. Mit unterschiedlichen Testflüssigkeiten werden unterschiedliche Lebensmittelarten wie fetthaltige Lebensmittel, säurehaltige Lebensmittel oder alkoholische Getränke simuliert. Daher erfolgt die Prüfung nicht einfach mit Wasser, sondern mit speziellen Prüfflüssigkeiten.

3. Kontakt zwischen Probe und Testflüssigkeit:
Die vorbereiteten Materialproben werden mit der ausgewählten Testflüssigkeit in Kontakt gebracht. Der Test wird unter festgelegten Bedingungen wie Temperatur und Dauer durchgeführt, um die mögliche Migration von Stoffen zu bewerten.

4. Analyse der Testflüssigkeit:
Nach Abschluss des Tests wird die Testflüssigkeit analysiert, um festzustellen, ob und in welchem ​​Ausmaß bestimmte Substanzen aus dem Harz in die Testflüssigkeit gewandert sind.

5. Auswertung der Ergebnisse:

Die gemessenen Migrationswerte werden mit den geltenden Grenzwerten verglichen, die in behördlichen Anforderungen oder Industriestandards festgelegt sind. Liegen die Messwerte innerhalb der zulässigen Grenzen, gilt das Material als lebensmittelecht.

Migrationstests sollten von akkreditierten Laboren durchgeführt werden, um zuverlässige und aussagekräftige Ergebnisse zu gewährleisten.

ACHTUNG: JETZT KOMMT DIE TEMPERATUR IN SPIEL!

Bei meinen Recherchen im Internet habe ich außerdem herausgefunden, dass einige Epoxidhersteller, die diesen Migrationstest mit ihrem Harz bestanden haben, ihr Harz anschließend automatisch als „LEBENSMITTELSICHER“ bewerben. Aber habt ihr jemals darüber nachgedacht, dass Essen so unterschiedlich sein kann? Und damit meine ich hier die Temperatur des Essens.
Für mich macht es einen großen Unterschied, ob ich einen Harzteller für Muffins (kalte Speisen) oder Käse eingieße oder ob der Teller für Koteletts oder Nudeln zum Einsatz kommt. Hier sprechen wir von Temperaturunterschieden von mehr als 50-60°C!

Deshalb habe ich mir die Migrationstests der Epoxidharzhersteller genauer angesehen und anhand der Tests festgestellt, dass der Test nur bei speziellen Temperaturen bestanden wurde. Beispielsweise nur bei 40°C, oder noch schlimmer bei 20°C.

Nehmen wir nun an, ein Harzkünstler gießt einen Teller mit lebensmittelechtem Harz, weil er weiß, dass der Hersteller Lebensmittelsicherheit verspricht, und serviert den Gästen nun frisch gebratenes Hähnchen auf diesem Teller. Der Harzkünstler denkt sich nichts dabei, aber leider gilt das Lebensmittelsicherheitszertifikat nur bis 35°C – und jeder weiß, dass frittierte Lebensmittel viel heißer als 35°C sind!
Finden Sie das genauso fahrlässig wie ich? Nur um ohne weitere Angaben „lebensmittelecht“ auf das Etikett zu schreiben?
Nun, man müsste sich als Harzkünstler die Migrationsraten im Test ansehen und auch die Temperatur, bei der es als „lebensmittelecht“ geprüft wird – aber wer von uns Laien kann einen chemischen Test sofort durchschauen und verstehen.

Die genauen Temperaturen, die für den Lebensmittelsicherheitstest verwendet werden, können je nach spezifischen Anforderungen und Standards variieren. Es gibt jedoch bestimmte Standardtemperaturen, die häufig bei der Lebensmittelsicherheitsprüfung von Materialien und Gegenständen verwendet werden.

Im Allgemeinen liegen die üblichen Prüftemperaturen zwischen 40 °C und 70 °C. Hier einige Beispiele für typische Testtemperaturen:

Raumtemperatur (ca. 20–25 °C ): Dies ist die niedrigste Testtemperatur und wird manchmal verwendet, um Migration unter normalen Lager- und Umgebungsbedingungen zu simulieren.

40 °C: Dies ist eine übliche Testtemperatur, die häufig zur Simulation von Raumtemperatur oder gekühlten Lebensmitteln verwendet wird.

50 °C: Diese Temperatur wird häufig verwendet, um höhere Temperaturen beim Transport oder der Lagerung von Lebensmitteln zu simulieren.
-> übrigens. Die lebensmittelsichersten Harze sind in dieser Kategorie

70°C: Diese Temperatur wird häufig verwendet, um hohe Temperaturen beim Kochen, Erhitzen oder Pasteurisieren von Lebensmitteln zu simulieren.

Es ist wichtig zu beachten, dass die ausgewählte Testtemperatur auf der beabsichtigten Verwendung des Materials oder Gegenstands mit Lebensmittelkontakt basieren sollte. Lebensmittel können unterschiedlichen Temperaturen und Bedingungen ausgesetzt sein, und die Testtemperaturen sollten die tatsächlichen Verwendungsbedingungen so genau wie möglich simulieren.

Wie Sie sehen, ist dieses Thema nicht ganz so einfach zu behandeln und es gibt viel darüber zu wissen.


Mein Lösungsvorschlag für alle Harzhersteller, die ihr lebensmittelechtes Epoxidharz als lebensmittelecht vermarkten, wäre eine deutlich bessere Kennzeichnung – also ausreichend Informationen auf dem Etikett, die folgende Dinge beinhalten sollten:

1) Info FOODSAFE (sofern es die Migrationstests in einem externen Labor wirklich bestanden hat)


2) Temperatur – auch die Temperatur sollte angegeben werden, bis zu wie viel Grad es wirklich lebensmittelecht ist


3) Benennen Sie die Tests: In der EU würde man auf das Etikett beispielsweise „Verordnung (EU) Nr. 10/2011“ oder „Food and Drug Administration“ für die USA schreiben.


4) Zertifikate auf der Homepage bereitstellen

Ich möchte hier nicht mein eigenes Horn betätigen, aber COLORBERRY ist einfach eine sehr vorbildliche Harzmarke, die sich viele Gedanken darüber macht, wie Vertrauen und Transparenz an den Kunden weitergegeben werden können, und natürlich haben wir bei der Herstellung mit einem Chemiker zusammengearbeitet ein lebensmittelechtes Harz und es ist gelungen!

Hier sehen Sie unser Etikett auf den Harzflaschen des neuen BERRY RESIN und ich bin mir sicher, dass es nicht lange dauern wird, bis einige Harzhersteller davon inspiriert werden, wie man es richtig macht.

Denn genau diesen Fall hatten wir vor einigen Jahren zum Thema „Nonylphenol“!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Casting und bleiben Sie informiert!

Dein
FRAU.COLORBERRY

PS: Für alle, die als Erste das COLORBERRY FOODSAFE BERRY RESIN bekommen möchten, hier ist das Produkt, das ihr für den Liefertermin Ende August 2023 vorbestellen könnt: